Sehnerv (Nervus opticus, II. Hirnnerv)
Der Sehnerv ist sozusagen das Glasfaserkabel des Gehirns – verantwortlich dafür, dass alles, was du siehst, auch tatsächlich im Kopf ankommt. Er leitet die elektrischen Signale der Netzhaut blitzschnell weiter und sorgt damit dafür, dass aus Licht Sinn wird – oder zumindest ein klares Bild.
Er gehört übrigens nicht zu den „echten“ peripheren Nerven, sondern ist streng genommen ein Ausläufer des Gehirnsselbst – also eher ein Stück Zentralnervensystem im Außendienst. Mit seiner schützenden Myelinschicht (von Oligodendrozyten, nicht von Schwann-Zellen!) und seiner Umhüllung durch Hirnhäute hat er das auch nie verheimlicht.
Was man am Sehnerv erkennen kann (anatomisch und histologisch):
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Axone der retinalen Ganglienzellen, gebündelt zu einem etwa 4–5 cm langen Kabel – rund 1 Million Fasern, die alle gleichzeitig „sehen“.
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Eine Lamina cribrosa (durchbrochene Platte der Sklera), wo die Nervenfasern das Auge verlassen – hier ist der Sehnerv am empfindlichsten, z. B. bei erhöhtem Augeninnendruck.
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Myelinisierte Nervenfasern mit typischer Glia-Architektur (Oligodendrozyten, Astrozyten, Mikroglia).
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Umgeben von Dura mater, Arachnoidea und Pia mater, also denselben Häuten wie das Gehirn – ein echter VIP-Nerv.
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Zentrale Arterie und Vene der Retina, die mitten hindurchlaufen – das Auge ist also gleich mitversorgt.
Klinisch relevant:
Wenn der Sehnerv beleidigt ist – z. B. durch Entzündungen (Optikusneuritis), Druck (Papillenödem) oder Durchblutungsstörungen – wird’s schnell dunkel im wahrsten Sinne des Wortes. Dann zeigt sich, wie empfindlich dieses kleine Datenkabel wirklich ist.